Ein »alkohöllischer« Jahres-Mix

Von Eva Eckle

FASTER Software – 16. Dezember 2020
Das laufende Schaltjahr 2020 mit seinen 366 Tagen hat’s wirklich in sich. Ein Jahr, von dem gefühlt dreiviertel der Tage das Prädikat »besonders schwierig« trugen. Die pandemiebedingten Geschehnisse sind mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, klimatischen und privaten Auswirkungen in der Tat ein Jahres-Mix aus außerordentlichen Zutaten…  

…dem Brexit, der 75. Jahrestag der Beendigung des zweiten Weltkriegs, die 25-jährigen Jubiläen von MP3 und Web.de, die internationale »Black-lives-matter« Bewegung, Trumps Verkündigung des Austritts der USA aus der WHO, den Rekorden an der Wall-Street, dem Boom im Onlinehandel, das Fortschreiten der Digitalisierung, der Schrottentsorgung im Orbit, der Entwicklung des selbst parkenden Autos, dem 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, dem 100-jährigen Bestehen von Haribo, der Eröffnung des Flughafens Berlin »Willy Brandt« (nach 14 Jahren Bauphase), der andauernden Flüchtlingskrise, der G20-Gipfel in Riad, der Renaissance der Verschwörungstheorien, der Pflegekräfteunterbezahlung, der Impfstoffentwicklung, den Naturkatastrophen, »Fridays for Future«-Aktionen, Aufforstung, erneute Terroranschläge, die Präsidentschaftswahlen in den USA und vieles mehr. Aber letztendlich wurde das Weltgeschehen 2020 primär von der COVID-19-Pandemie geprägt: Corona.

Während die Weltwirtschaft unter der zweiten Pandemiewelle ächzt, der nächste Shutdown gerade beginnt und man auf die vergangenen 351 Tagen blickt, könnte man meinen, 2020 habe sich beim Jahreswechsel ein Gläschen zu viel des »satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunschs*« gegönnt und stecke seither fest in einem irrsinnigen Rausch. Delirium oder ein Weckruf?

Die pandemiebedingte Vollbremsung der Wirtschaft im Frühjahr brachte elementare Veränderungen im sozialen Umgang und in der Neugestaltung der Bildungs- und Arbeitswelt mit sich. Auf die digitale Transformation der Industrie wirkte der Stopp wie ein Flywheel-Effekt. Mit 45 von 100 möglichen Punkten hat sich der Digitalisierungsgrad der deutschen Industrie um sechs Punkte im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Insgesamt gelten knapp sieben Prozent der Unternehmen in Deutschland als »digitale Vorreiter« und kommen im Wirtschaftsindex DIGITAL auf 81 bis 100 Punkte. Knapp ein Drittel aller Unternehmen gehört zur nächsten Kategorie der »digitalen Fortgeschrittenen«. Weltweit nutzten im Januar 2020 rund 4,54 Milliarden Menschen das Internet. Der aktuelle Wert entsprach 59 Prozent der Weltbevölkerung. Die Zahl nahm im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,0 Prozent oder 298 Millionen Menschen zu.

Digitales Lernen ist in der Corona-Krise gefragter denn je. Im ersten Quartal 2020 kommunizierten 59 % der 10- bis 15-Jährigen mit Lehrkräften oder anderen Lernenden über entsprechende Lernplattformen oder -portale. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war dieser Wert mehr als sieben Mal so hoch wie im Vorjahr (1. Quartal 2019: 8 %). Von den Schülerinnen, Schülern und Studierenden ab 16 Jahren nutzten 72 % diesen Weg der Kommunikation zu Lernzwecken. Damit hat sich in dieser Altersgruppe der Anteil im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal verdoppelt (1. Quartal 2019: 35 %).

Wie ist es uns bei FASTER in diesem »interessanten« Jahr ergangen? Uns kam zugute, dass wir bereits vor der Pandemie verstärkt die Möglichkeit für dezentrales Arbeiten eingeführt hatten. Es wurde dann halt gezwungenermaßen mehr als ursprünglich angedacht. Und auch wenn wir uns derzeit mehr auf unsere privaten Büros verteilen und Besprechungen hauptsächlich virtuell stattfinden, sehen wir bzgl. des Themas Social-Distancing bei der Arbeit kein großes Problem. Das ist für einen bestimmten Zeitraum gut machbar – wir sehen es einfach als »nette Abwechslung«. Dem Trend einer virtuellen Weihnachtsfeier werden wir nicht folgen. Wir holen es nach, sobald es wieder möglich ist. Wir sind uns einig, es kommen wieder andere Zeiten – und umso schneller, je konsequenter wir jetzt handeln. Apropos konsequentes Handeln: Für uns gehört neben dem Tragen einer Maske selbstverständlich auch die Nutzung der Corona-App dazu.

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite zur App mitteilt, liegt der aktuelle Stand der Download-Zahlen in Deutschland vom 11. Dezember bei 23,8 Millionen Downloads, was bei 83,2 Millionen Einwohner in Deutschland einer ungefähren Durchdringung von 28,61 Prozent entspricht. Laut einer Studie der Universität Oxford kann die Corona-Epidemie gestoppt werden, wenn rund 60 Prozent der Bevölkerung die Tracing-App benutzen. Viel hilft viel: Je mehr Menschen in Deutschland die Corona-Warn-App auf ihr Smartphone laden und aktivieren, desto eher können Infektionsketten durch die Contact-Tracing-Lösung frühzeitig erkannt und unterbrochen werden. Also, wer’s noch nicht installiert hat: Hier geht es.

Für mich kann ich sagen, dass ich mit den derzeitigen Einschränkungen angesichts unseres kollabierenden Planeten gut leben kann. Ich schränke mich bei Dingen, die den Konsum und den Verbrauch von Energie betreffen maximal ein, trage konsequent Maske, habe mein Einkaufsverhalten angepasst, bleibe amap@home, kaufe lokal bei Bauern und unterstütze Restaurants in der nahen Umgebung. Was ich in dieser Zeit besonders für mich entdeckt habe, ist das Hören von Podcasts. Zu allen mich interessierenden Themenfelder, gibt es unterhaltsame, erhellende und inspirierende Inhalte. Das Corona-Update mit Drosten gehört auch dazu.
Ich hoffe in diesem Zusammenhang, dass der Raum für Verschwörungstheorien immer mehr der Erkenntnis weicht, dass Verschwörungstheoretiker eben keine unabhängigen, kritischen Denker sind. Der Unterschied zur Wissenschaft: Zweifel ist eine Methode, und das Ergebnis ist offen. Es setzt sich durch, was belegt und nicht falsifiziert werden kann. Bei der Verschwörungstheorie ist das Ergebnis vorgegeben, und die Fakten werden angepasst.

Und wie sieht es mit den Weihnachtsvorbereitungen dies Jahr aus? Auch die sind digitaler denn je. Die Suchbegriffe rund um die Festtagsplanung in den eigenen vier Wänden verraten es. Die Google-Suche nach Keksrezepten, Weihnachtsdekorationen und »Glühwein selbst machen« verzeichneten eine Steigerung um 64 Prozent. Durch die Absage der Weihnachtsmärkte ist eine Kulturkonstante der Vorweihnachtszeit weggebrochen. Auch der Leitstern des Weihnachtsfestes wird Verzicht sein (müssen). Viele Weihnachtstraditionen muss man dies Jahr streichen. Die steigenden Fallzahlen zwingen uns zum ersten Mal in den über 2000 Jahren, in denen wir Weihnachten feiern – dem Fest der Liebe und Nähe – zu einem Fest der Distanz im kleinen Rahmen. 64 Prozent der Deutschen wird zu Weihnachten nicht verreisen und ein Fünftel feiert Weihnachten sogar virtuell, so eine internationale Studie des Medientechnologieunternehmens Verizon Media.

Unsere Weihnachtsempfehlungen zum Schluss: Der Christbaum von Welt trägt dies Jahr Rot und unser Tipp zum Verschenken, das Kult-Kinderbuch von Michael Ende »Der Wunschpunsch«. Das ist auch als Hörbuch erhältlich – und gesprochen von Christoph Maria Herbst – für die ganze Familie sehr unterhaltsam.

Wir wünschen eine gemütliche Weihnachtszeit, einen friedlichen Jahreswechsel und nicht vergessen – vor allem in solchen Zeiten ist eins für ein stabiles Mindset tierisch wichtig:
Schöne Momente genießen, ma‘ abschalten und…

In diesem Sinne
tapfer sein, durchhalten und optimistisch bleiben!

Ihr Team von 
FASTER Software


[1] Manager Magazin: Neuinfektionen erreichen Höchstsand

[2] Statista: IT-Nutzung – Statistisches Bundesamt (destatis.de)

[3] Der Monitoring-Report »Wirtschaft DIGITAL«: BMWi – Die Wirtschaft bei der Digitalisierung beobachten

[4] Capital: Internetnutzung: So digital ist die Welt 2020 – Capital.de

[5] Süddeutsche: #Klimawandel #Internet

[6] Corona Warn-App: Aktuelle Download Zahlen

[7] Marketing Börse: Web.de wird 25 Jahre!

[8] One2One: Einschränkungen für das diesjährige Weihnachtsfest

[9] One2One: Ohne Weihnachtstraditionen weniger Weihnachtsgeschäft

[10] Spektrum: VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN: Wie sollten wir mit so genannten alternativen Fakten umgehen?

[11] NDR/Corona-Leugner: Wie geht man mit ihnen um?  NDR GESUND mit Dr. Wimmer

[12] *Michael Ende: »Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch«, Hörprobe vom Hörbuch gesprochen von Christopher Maria Herbst

[13] Corona Warn-App: Hier geht’s zur Installation https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/corona-warn-app

[14] © 2020 Illustration Claus Dorsch