Quizduell-Intelligenz 2.0 – Kann man Intelligenz trainieren?

Von Eva Eckle

FASTER Software – 02. April 2014
Computer, Internet und Handys fordern das Gehirn. Der Trend zu Mobilität und Gaming wächst unaufhörlich. Der weltweit durchschnittliche IQ steigt seit Jahrzehnten. Doch welche Rolle spielen die neuen Medien dabei? Kann man durch virtuelle Quizduelle und Gehirnjogging-Programme seinen Intelligenzquotienten dauerhaft steigern?

Hamburg/Neu Wulmstorf – Seit Monaten ist die Spiele-App »Quizduell« auf dem Vormarsch und hat Smartphone-Besitzer fest im Griff. Im Ranking der geladenen Apps liegt das »Quizduell« auf Platz 4. Bereits über 15 Millionen Deutsche versuchen bei dem virtuellen Duell in insgesamt 19 Wissenskategorien, in jeweils 6 Fragerunden ihre vermeintliche »Intelligenz« zu beweisen. Die App startete im August 2012 und ist hierzulande seit Ende 2013 der Renner in den App-Stores. Eine Frage, vier Antwortmöglichkeiten. Pro Sprache gibt es rund 25.000 Fragen und es kommen pro Tag 500 neue dazu. Die bereits infizierten Deutschen öffnen die App täglich 23 Millionen Mal und es kommen Tag für Tag um die 100.000 Neu-Infizierte dazu.

Laut des IT-BranchenvQD2.1erbands spielt mittlerweile jeder dritte Gamer zusätzlich oder ausschließlich auf seinem Smartphone. »Immer mehr Menschen, die bisher keine Computerspiele gespielt haben, installieren sich auf ihren Smartphones und Tablets Spiele-Apps. Mobilgeräte erreichen dadurch ganz neue Spielergruppen«, sagt Tobias Arns, Gaming-Experte beim Bitkom. Allgemein nehme die Bedeutung der sogenannten »Casual Games« für den Markt immer stärker zu. Der »Casual-Gamer« setzte auf eine schnelle und unkomplizierte Spielerfahrung, die keine ausladenden Ansprüche an die Hardware stellt.

Seit Wochen berichten Funk und Fernsehen immer wieder über den Erfolg und die Sucht nach der QuizApp. Ein »Süchtigmacher« nach Triumph, nach virtueller Anerkennung, den man gegen Freunde und Fremde sammeln kann. Je öfter man versagt, umso mehr will man es sich und dem penetranten Sieger immer wieder beweisen.

Soweit, so gut. Aber inwieweit sind bei solcher Art virtueller Spielduelle Triumph und Niederlage, Demut und Prahlerei von Bedeutung? Geht es dabei wirklich um die gegenseitige Messung des Intelligenzgrades? Dümmer wird man wohl nicht, aber existiert wirklich eine Steigerung des IQ?

Der weltweit durchschnittliche IQ steigt –  welche Rolle spielen die neuen Medien dabei?
Studien zeigen, dass Computerspielen das räumliche Denken schult und dass die Beschäftigung mit Bildschirmmedien vor allem die visuell-räumlichen Komponenten des Denkens fördert und die Fähigkeit stärkt, rasch zwischen mehreren Aufgaben zu wechseln. Doch was genau das Denkvermögen des letzten Jahrhunderts beflügelt hat, ist umstritten. Längere Ausbildung und eine bessere Ernährung können ebenso dazu beigetragen haben wie die zunehmende Technisierung des Alltags: Sie zwingt uns mehr denn je, immer wieder Neues zu lernen – was die grauen Zellen auf Trab hält.

Der Mensch 3.0 – intelligent aber herzlos?
Kritiker betonen die angeblich schädlichen Folgen der heutigen intensiven Mediennutzung: Wer viel Zeit online verbringe, sei auch im »echten« Leben nur noch auf der Jagd nach schnellen, leicht verdaulichen Informationshäppchen. Wer wiederum viele Bücher lese, könne Geschichten zueinander in Beziehung setzen, so dass Bedeutungsgeflechte entstünden. In der zweidimensionalen Welt funktioniere das eben nicht. Es gäbe nur schnelle Bilder, doch die Inhalte hätten für den Konsumenten keine Signifikanz und tiefere Bedeutung. Es zähle nur noch der Augenblick. Die Krux, die Menschen würden zwar immer intelligenter, seien dafür aber weniger empathisch, rücksichtsloser und schnelllebiger, so die Prof. Patricia Greenfield, Psychologin an der University of California in Los Angeles.

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Mit virtuellem Gehirntraining doch nur zum »Fachidioten«

Adrian Owen, Neurowissenschaftler an einer Forschungseinrichtung in Cambridge ließ mehr als 11.000 Versuchspersonen sechs Wochen lang online unter anderem ihr Gedächtnis, Schlussfolgern und ihre visuell-räumlichen Fähigkeiten trainieren. Die Leistung jedes Einzelnen hatte sich tatsächlich über die Zeit verbessert – allerdings nur in den bekannten Aufgaben. Als die Versuchspersonen andere, ähnliche Tests absolvieren sollten, waren sie nicht besser als der Durchschnitt.

Fluide Fähigkeiten lassen ab etwa Mitte 30 allmählich nach. Dann ist es zwar weiterhin möglich, sich in einer bestimmten Aufgabe zu verbessern, etwa im Sudoku-Knobeln. Doch solch ein Training wirkt sich immer nur auf die geistigen Prozesse aus, die für diese oder ähnliche Übungen nötig sind. Wer Profi im Kreuzworträtseln wird, schärft nicht automatisch auch seinen Sinn für Zahlen. Psychologen würden sagen: Der so genannte Ferntransfereffekt bleibt aus – also die Übertragung einer spezifischen Leistungssteigerung auf die allgemeine Denkfähigkeit.

Anders bei Kindern und Jugendlichen. Sie bauen vor allem durch die Schulbildung Denkfähigkeiten und Wissen auf. Eine ideale Förderung vorausgesetzt, haben sie mit etwa 20 Jahren ihr individuelles Intelligenzpotenzial ausgeschöpft.

Wir brauchen fluide Intelligenz, um Wissen und Fertigkeiten, die so genannte kristalline Intelligenz, effektiv anzuwenden. Was jemand im Leben erreicht, ist somit eine Funktion beider Intelligenzbausteine.

Quiz-Duell macht Spaß, aber nicht wirklich schlauer
Ergo, wer immer wieder als Triumphator eines Quiz-Duells hervorgeht, darf sich zu Recht auf die Schulter klopfen, denn sein erworbenes Allgemeinwissen kann sich sehen lassen. Sicherlich lernt man auch das Eine oder Andere dazu, aber die »ernüchternde Botschaft, dass die langfristige Steigerung des Intelligenzquotienten im Erwachsenenalter kaum möglich ist« bleibt. Was die jüngere Genreration betrifft, so ist sicherlich das extrem kurze Zeitfenster von 20 Sekunden nicht die richtige Zeitspanne, um Informationen dauerhaft in den grauen Zellen zu speichern. Also macht uns Allen das Duellieren beim »QuizDuell« Spaß, aber nicht langfristig »schlauer«. Man setzt eben ein, was man eh schon »hat«.

Die blaue und die rote Kapsel führen ins Wunderland
Nun denn, da die Möglichkeit wie in »Matrix« ausbleibt, sich neue Fähigkeiten mal eben ins Gehirn »zu laden«, müssen wir uns wohl auf alt hergebrachte Weise Wissen und Intelligenz aneignen. Die Frage, ob die rote oder blaue Kapsel stellt sich nur insofern, als dass man sich in unserer Dimension bewusst für einen gesunden Mix, der »realen« und der »virtuellen« Welt entscheiden sollte. Also Kinder, ran an die Bücher. Je eher desto gut. (Allgemein)-Wissen ist eben doch cool. Das ist die Wahrheit, nicht mehr. Bedenke: beide Welten bieten ein Wunderland in den Tiefen des Kaninchenbaus!


Quellenangaben:

[1] Gehirn-und-Geist.de // Kann man Intelligenz trainieren?
http://www.gehirn-und-geist.de/alias/iq-tests/kann-man-intelligenz-trainieren/1223561

[2] Gehirn-und-Geist.de // PDF Intelligenz 2.0
http://www.gehirn-und-geist.de/alias/neue-medien/intelligenz-2-0/1022454

[3] WELT.de // Quizduell: Die App für Demütigungen und Angeber
http://www.welt.de/debatte/kolumnen/der-onliner/article123808289/Die-App-fuer-Demuetigungen-und-Angeber.html

[4] Heise.de – Technology Review // Die neue Intelligenz
http://www.heise.de/tr/artikel/Die-neue-Intelligenz-2153262.html

[5] n-tv.de // Neue Sucht am Handy – Spiele-Apps im Test
http://www.n-tv.de/ratgeber/Sendungen/Spiele-Apps-im-Test-article12367271.html

[6] crn.de // Neue Herausforderungen für den Spielemarkt
http://www.crn.de/software/artikel-100322.html

[7] Focus // App-Charts
http://www.focus.de/digital/computer/telekommunikation-app-charts-auf-mini-quiz-folgt-das-mathe-duell_id_3598538.html