Der Coolness-Test: Das Imperium schlägt zurück.

Von Eva Eckle

FASTER Software – 06. März 2013
Microsoft bald angesagter als Apple? Dank einer Umfrage unter jungen Leuten der Nachrichtenagentur Reuters, wissen wir jetzt, welche großen Unternehmen der IT-Welt »cooler« geworden sind –  mit einem überraschenden Ergebnis. Mit dem wohl nur die wenigsten gerechnet haben.

Hamburg/Alt Osdorf –  Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten IT-Galaxis… da gab es einen mächtigen Konzern, der die IT-Welt regierte. Sein Betriebssystem namens Windows war quasi auf jedem Computer installiert. Dann verdunkelte ein böser Schatten das auf ewig sicher geglaubte Imperium…

Viele Jahre hielt Microsoft sein Monopol in der Software-Branche. Doch während des fast 30 Jahre währenden Wettstreits zwischen Microsoft und Apple zeigt sich bei einem Blick auf die Entwicklung der Börsenkurse- und Werte beider Unternehmen, dass Apple seit Jahren die Nase deutlich vorn hat. Erst verschlief Microsoft das World Wide Web und unterschätzte dann das iPhone, mit dem der Siegeszug der »Smartphones« begann. Schon bald hatten sich die Konkurrenten Apple und Google mit iOS und Android insgesamt über 80 Prozent der Kunden unter den Nagel gerissen.

Sollte sich das nun bald ändern? Denn 50 Prozent der Befragten der Reuters-Umfrage sagten: Microsoft sei deutlich cooler als in der Vergangenheit. Laut CRN verdanke das Unternehmen der Surface-Kampagne dieses überraschende Ergebnis, welche Microsoft ein jugendliches, modernes und am aktuellen Markt orientiertes Image verschafft habe.

Das von Microsoft selbst entwickelte Tablet wird innerhalb der Kampagne gleich mit zwei TV-Spots beworben. Für die Einführung der neuen Software hat Microsoft weltweit einen Rekord-Marketingetat von 1,6 Milliarden US-Dollar reserviert. Hört, hört. Das Imperium schlägt zurück. Zu der Erlösung aus dem Reich der Schatten soll außerdem das Windows Phone 8 beitragen, welches wie die Desktop-Version Windows 8 bedient wird und mit dem Microsoft nun endlich zu Android und iOS aufschließen will.

Das neue Image mache die Bilder vergessen, als sich Bill Gates noch im Strickpullover über grauen Rechnern räkelte, so die CRN und meint, dass Reuters in seiner Umfragevorstellung Microsoft besonders hervorgehoben habe, weil das Unternehmen bisher eigentlich als etwas altmodisch galt und immer mit den Bildern der frühen Garagen-Entwickler in Verbindung stand.

Das wirklich noch so ist? Ich war der Meinung, dass das verstaubte Bild vom schräg anmutenden Nerd, der vor allem nachts aktiv ist, sich vorzugsweise von Pizza und Cola ernährt und der in Schlabber-Strickpullundern von Menschen zurückgezogen vor seinem Computer seiner Leidenschaft frönt, schon längst der Vergangenheit angehörte.

Wie auch immer. Mir persönlich ist es letztendlich Wurscht, ob Nerd- oder Design-Image. So lange die Produkte in Funktionalität und Design halten, was sie versprechen und man möglichst wenig Kompromisse machen muss. Allerdings könnte man erwarten, dass die Anbieter eine der Grundregeln des Netzes beachten und so zusammenarbeiten, dass man seine gewählten Dienste auch plattform- bzw. produktübergreifend anwenden kann. Die Zickereien der Softwaregiganten unter sich nerven indes als Anwender zuweilen. Beispiel: Apple wirft Google Maps raus, ersetzt dies durch ein eigenes, minderwertiges Angebot, nur damit eben nicht mehr Google Maps genutzt wird. Diese Entwicklungszeit könnte man sicherlich sinnvoller investieren.

Die Spitze der Coolness-Liste besetzen laut Reuters Umfrageergebnis aber nach wie vor die Marken Apple und Android, mit jeweils 60 und 70 Prozent. Trotz polarisierter Meinungen zu Windows 8 und Surface habe Microsoft nun laut des Ergebnisses der Umfrage aber deutlich an »Coolness« zugelegt und spräche vermehrt eine jüngere Zielgruppe an. Ob Microsoft sein Potential diesbezüglich nach oben mittelfristig nutzt, bleibt abzuwarten. Ungewiss die Zukunft ist. Später dieser Wettstreit sich entscheiden wird.

Quelle: crn.de/22.02.2013/Der Coolness-Test